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<title>Helmut Hackenberg</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Helmut Hackenberg</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Helmut Hackenberg</b> (* <a href="2._M%C3%A4rz" title="2. März">2. März</a> <a href="1926" title="1926">1926</a> in <a href="Opole" title="Opole">Oppeln</a>, Oberschlesien; † <a href="25._April" title="25. April">25. April</a> <a href="1999" title="1999">1999</a>) war ein deutscher <a href="Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands" title="Sozialistische Einheitspartei Deutschlands">SED</a>-Funktionär. Er war von 1963 bis 1971 1. Sekretär der SED-Stadtleitung <a href="Magdeburg" title="Magdeburg">Magdeburg</a> und von 1971 bis 1989 2. Sekretär der SED-Bezirksleitung <a href="Leipzig" title="Leipzig">Leipzig</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben_bis_1989">Leben bis 1989</h2></div>
<p>Der Arbeitersohn besuchte die Volks- und Mittelschule. Im Jahr 1940 begann er eine Lehre als Autoschlosser, der noch im gleichen Jahr die Aufnahme in eine Unteroffiziersschule folgte. Nach einer vierjährigen Ausbildung wurde Hackenberg 1944 zum Kriegsdienst verpflichtet, der für ihn 1945 mit der Gefangennahme durch sowjetische Truppen in der <a href="Tschechoslowakei" title="Tschechoslowakei">ČSR</a> endete.
</p><p>Hackenberg trat im Jahr 1945 in die <a href="Kommunistische_Partei_Deutschlands" title="Kommunistische Partei Deutschlands">KPD</a> ein. Diesem Parteieintritt folgte nach der <a href="Zwangsvereinigung_von_SPD_und_KPD_zur_SED" title="Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED">Zwangsvereinigung von SPD und KPD</a> 1946 die Mitgliedschaft in der <a href="Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands" title="Sozialistische Einheitspartei Deutschlands">SED</a> und eine bis 1951 dauernde Tätigkeit als Volontär bei der Versicherungsanstalt Dessau. Seit 1951 amtierte Helmut Hackenberg als Instrukteur der SED-Landesleitung in <a href="Sachsen-Anhalt" title="Sachsen-Anhalt">Sachsen-Anhalt</a>. Nach der Auflösung der Länder in der DDR übernahm er 1952 die Funktion eines Abteilungsleiters Organisation / Kader in der neu gegründeten SED-Bezirksleitung Magdeburg. Parallel zu dieser Tätigkeit studierte Hackenberg an der SED-Parteihochschule. Er beendete 1957 dieses Studium als Diplom-<a href="Marxismus-Leninismus" title="Marxismus-Leninismus">Gesellschaftswissenschaftler</a>. Wenig später folgte ein Fachschulstudium, das er als Ingenieur-Ökonom abschloss.
</p><p>1963 stieg Hackenberg zum 1. Sekretär der SED-Stadtleitung Magdeburg auf. 1971 wechselte er in die Funktion eines 2. Sekretärs der SED-Bezirksleitung Leipzig. Zwischen dem seit 1970 amtierenden 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig <a href="Horst_Schumann_(Politiker)" title="Horst Schumann (Politiker)">Horst Schumann</a> und dem seit 1971 amtierenden Generalsekretär der SED <a href="Erich_Honecker" title="Erich Honecker">Erich Honecker</a> gab es politische und persönliche Differenzen, die letztlich zur Kaltstellung von Horst Schumann führten. Die Ablösung des häufig zaghaften Politikers erfolgte aber nicht, da er von der Bekanntheit seines Vaters Georg Schumann profitierte, die dieser sich als Chef der größten kommunistischen Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, die sogenannte <a href="Schumann-Engert-Kresse-Gruppe" title="Schumann-Engert-Kresse-Gruppe">Schumann-Engert-Kresse-Gruppe</a>, erwarb. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands konnte Horst Schumann, vor allem in den 1980er Jahren, seine Funktion oft nicht ausüben, sodass sein Vertreter Helmut Hackenberg als der tatsächliche SED-Machthaber im Bezirk Leipzig galt. Hackenberg gehörte außerdem zum Redaktionskollektiv der SED-Zeitschrift „<a href="Einheit_(SED-Zeitschrift)" title="Einheit (SED-Zeitschrift)">Einheit</a>“. 1977 erhielt er den <a href="Vaterl%C3%A4ndischer_Verdienstorden" title="Vaterländischer Verdienstorden">Vaterländischen Verdienstorden der DDR</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Der_9._Oktober_1989_in_Leipzig">Der 9. Oktober 1989 in Leipzig</h2></div>
<p>Am 4. September 1989 begannen die Leipziger Montagsdemonstrationen, bei denen wöchentlich Demonstranten verhaftet wurden. Helmut Hackenberg, der den erneut erkrankten Schumann vertrat, schrieb Anfang Oktober an <a href="Egon_Krenz" title="Egon Krenz">Egon Krenz</a>: „Das Sekretariat der Bezirkseinsatzleitung hat eine Einschätzung der aktuellen Lage vorgenommen und alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet, um mögliche Provokationen im Keim zu ersticken.“<sup id="cite_ref-Tagesspiegel_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Tagesspiegel-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Um die Ereignisse am <a href="Montagsdemonstrationen_1989/1990_in_der_DDR#Leipzig,_9._Oktober_1989" title="Montagsdemonstrationen 1989/1990 in der DDR">9. Oktober 1989</a> zu dokumentieren, ordnete Hackenberg die Aufzeichnung des Einsatzes der Sicherheitskräfte durch das DDR-Fernsehen an. Nach der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Pekinger <a href="Tian%E2%80%99anmen-Platz" title="Tian’anmen-Platz">Tian’anmen-Platz</a> fürchteten sich die Leipziger vor einer „<a href="Tian%E2%80%99anmen-Massaker" title="Tian’anmen-Massaker">chinesischen Lösung</a>“. Geschürt wurde die Angst der Bevölkerung durch den Abdruck eines Briefes des Kommandeurs der <a href="Kampfgruppen_der_Arbeiterklasse" title="Kampfgruppen der Arbeiterklasse">Kampfgruppenhundertschaft</a> „Hans Geiffert“, der in der <a href="Leipziger_Volkszeitung" title="Leipziger Volkszeitung">Leipziger Volkszeitung</a> schrieb: „Wir sind bereit und Willens, das von und mit unserer Hände Arbeit Geschaffene wirksam zu schützen, um diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam zu unterbinden. Wenn es sein muß, mit der Waffe in der Hand!“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Polizeikräfte gingen bereits am 2. und 7. Oktober 1989 gewaltsam gegen Demonstranten vor.
</p><p>Hackenberg saß an diesem Abend in der SED-Bezirksleitung, wo er über ein Telefon von der Lage in der Innenstadt erfuhr. Nach den Friedensgebeten in der <a href="Nikolaikirche_(Leipzig)" title="Nikolaikirche (Leipzig)">Nikolaikirche</a> versammelten sich 70.000 Menschen, die über den <a href="Innenstadtring_(Leipzig)" title="Innenstadtring (Leipzig)">Georgiring</a> zum <a href="Leipzig_Hauptbahnhof" title="Leipzig Hauptbahnhof">Hauptbahnhof</a> liefen. Im <a href="Stadtfunk_Leipzig" title="Stadtfunk Leipzig">Stadtfunk</a> verlas der <a href="Gewandhaus_(Leipzig)" title="Gewandhaus (Leipzig)">Gewandhauskapellmeister</a> <a href="Kurt_Masur" title="Kurt Masur">Kurt Masur</a> den zur Besonnenheit mahnenden Aufruf der „<a href="Sechs_von_Leipzig" title="Sechs von Leipzig">Leipziger Sechs</a>“, zu denen auch die drei SED-Funktionäre Kurt Meyer, <a href="Hans-Joachim_Pommert" class="mw-redirect" title="Hans-Joachim Pommert">Hans-Joachim Pommert</a> und <a href="Roland_W%C3%B6tzel" title="Roland Wötzel">Roland Wötzel</a> gehörten.
</p><p>Der Polizeichef erkannte, dass die vorbereiteten Maßnahmen bei 70.000 Menschen nicht durchführbar sind und verhinderte deshalb den Einsatz von Polizei- und Sicherheitskräften gegen die Demonstranten. Er informierte Hackenberg, der Egon Krenz anrief und ihm mitteilte, dass die Demonstration friedlich verlief und die Polizeieinheiten zurückgezogen wurden. Krenz akzeptierte die Entscheidung der SED-Bezirksleitung Leipzig und Hackenberg wies daraufhin alle Polizei- und Sicherheitskräfte an, „keine aktiven Handlungen gegen Personen zu unternehmen, wenn keine staatsfeindlichen Aktivitäten und Angriffe gegen Sicherheitskräfte, Objekte und Einrichtungen erfolgen“.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Während der 9. Tagung des Zentralkomitees der SED am 18. Oktober 1989, auf der die Absetzung Honeckers als Generalsekretär der SED beschlossen wurde, forderte der Kulturminister Hans-Joachim Hofmann die Absetzung von Horst Schumann in seiner Funktion als 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig. Unter Leitung von Egon Krenz beschloss das Politbüro der SED, Schumann durch den reformorientierten <a href="Roland_W%C3%B6tzel" title="Roland Wötzel">Roland Wötzel</a> zu ersetzen. Hackenberg, der als potentieller Nachfolger Schumanns galt, musste seine politische Karriere infolge der Entmachtung der ehemaligen SED-Bezirksleitung am 4. November 1989 beenden.
</p><p>Der ehemalige SED-Funktionär stellte sich in seinen letzten Lebensjahren den Fragen zu den Ereignissen am 9. Oktober 1989. Im Januar 1999 behauptete er auf einem zeitgeschichtlichen Forum in <a href="Magdeburg" title="Magdeburg">Magdeburg</a>: „Wir hatten nie die Absicht, auf Demonstranten zu schießen.“<sup id="cite_ref-Tagesspiegel_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Tagesspiegel-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Und: „Wir hatten den Willen, die Montagsdemonstration friedlich zu Ende zu bringen. Es gab einen ausdrücklichen Befehl, ohne Waffen auszurücken.“<sup id="cite_ref-Tagesspiegel_1-2" class="reference"><a href="#cite_note-Tagesspiegel-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Tagesspiegel-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Tagesspiegel_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Tagesspiegel_1-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Tagesspiegel_1-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Ralf Geissler: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.tagesspiegel.de/politik/9-oktober-1989-die-sed-will-in-leipzig-die-opposition-mit-gewalt-zerschlagen/97128.html"><i>Politik 9. Oktober 1989. Die SED will in Leipzig die Opposition mit Gewalt zerschlagen.</i></a> In: <i><a href="Der_Tagesspiegel" class="mw-redirect" title="Der Tagesspiegel">Der Tagesspiegel</a></i>, 8. Oktober 1999.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Werktätige des Bezirkes fordern: <a href="Staatsfeindlichkeit_nicht_l%C3%A4nger_dulden" title="Staatsfeindlichkeit nicht länger dulden">Staatsfeindlichkeit nicht länger dulden</a>.</i> In: <i>Leipziger Volkszeitung</i>, 6. Oktober 1989, S. 2.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Mario_Niemann" title="Mario Niemann">Mario Niemann</a>, <a href="Andreas_Herbst" title="Andreas Herbst">Andreas Herbst</a>:&nbsp;<i><span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/kataloge-datenbanken/biographische-datenbanken/helmut-hackenberg">Hackenberg, Helmut</a></span></i>. In: <i><a href="Wer_war_wer_in_der_DDR%3F" title="Wer war wer in der DDR?">Wer war wer in der DDR?</a></i> 5. Ausgabe. Band&nbsp;1. Ch.&nbsp;Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.</span>
</li>
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